Somatic Experiencing

Traumaheilung nach Somatic Experiencing

Somatic Experiencing ist eine naturgetreue Methode zur Auflösung von posttraumatischen Stressreaktionen.

Somatic Experiencing beruht auf der ethologischen Beobachtung von Tieren in der Wildnis, die angeborene homöostatische Mechanismen benutzen, um das hohe Maß an Erregung, das mit verteidigenden Überlebensstrategien einhergeht, zu regulieren und zu neutralisieren.

Tiere, die in der Wildnis leben, haben sich die Fähigkeit erhalten, die extrem hohe Energie zu ent-laden, sobald die Gefahr vorüber ist, wonach die Lebensenergie wieder frei fließen kann.

Dieselbe Fähigkeit zur Ent-ladung hat der Mensch, die allerdings durch seinen hoch entwickelten Intellekt stark beeinträchtigt ist: Die geballte Überlebensenergie bleibt in seinem System stecken und wird in Form von Traumasymptomen gebunden.

Bei der Anwendung von Somatic Experiencing wird die gebundene Überlebensenergie gelöst und schafft damit die wesentliche Voraussetzung geschaffen, das Trauma zu heilen und von den Symptomen zu befreien.

Somatic Experiencing – der Körper erinnert sich

Somatic Experiencing ist eine körperorientierte therapeutische Methode zur dauerhaften Befreiung der Folgen von Schock und Trauma. Gezielt und achtsam werden Heilungsimpulse des eigenen Körpers unterstützt und so psychische Stabilisierung und neue Erlebens- und Verhaltensmöglichkeiten wiedergefunden, Traumasymptome werden aufgelöst.

Der Fokus liegt in der Gegenwart, die persönliche Kraftquelle und der Kontakt zum eigenen Selbst wird gestärkt.

Prinzipien von Somatic Experiencing

Bei Somatic Experiencing wird zentral auf den Aufbau von unterstützenden Ressourcen (Kraftquellen) geachtet, welche die Arbeit am eigentlichen traumatischen Ereignis tragen können (Ressourcenorientierung). Somatic Experiencing sucht dabei besonders nach ganz spezifischen, auf die Traumaelemente zugeschnittenen Ressourcen. Diese werden stabilisiert und in eine Art Dialog zwischen Ressource und Trauma-Ereignis gebracht (Pendeln), so dass sich eine neue innere Erfahrung bilden und sich die im Nervensystem gebundenen Energien abbauen kann.

Ebenfalls zentral ist die genaue Dosierung der Belastung während des therapeutischen Prozesses (Titration). Einerseits ist es notwendig, Aspekte des Traumas zu berühren, um die gebundene Energie zu lösen, andererseits bedeutet zuviel der Berührung mit dem Trauma eine Wiederholung der Überforderung: Eine Retraumatisierung wird durch das sanfte und schrittweise Vorgehen vermieden.

Der Klient wird in der Wahrnehmung und Steuerung der Intensität geschult, so dass Klient und Begleiter gemeinsam daran arbeiten im Bereich zumutbarer Belastung zu bleiben.

Methodik von Somatic Experiencing

Die Therapie wird meist über das Gespräch durchgeführt. Die Sprache der Empfindung wird genutzt und die Körperwahrnehmung verfolgt, um Gehirn und Nervensystem insgesamt in den Lösungsprozess einzubeziehen.

Es ist möglich, ohne Erinnerungen an traumatisierende Situationen zu arbeiten, die Therapie orientiert sich an den Symptomen des Traumas und folgt dem, was der Körper bzw. das Nervensystem freigibt. Bewusstsein, Achtsamkeit und Langsamkeit ermöglichen eine sehr detaillierte und zielgerichtete Traumabearbeitung, die sich sofort im Gefühl, im Bewusstsein und im Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems umsetzt. Die Regulierung des Nervensystems wirkt wiederum u.a. auf den Muskeltonus des ganzen Körpers, die Durchblutung und die Bewußtseinsklarheit.

Die Methode ist darauf ausgerichtet die Selbstheilungsprozesse des Körpers zu fördern.

Dr. Peter Levine vergleicht den Prozess bei der Traumaheilung nach Somatic Experiencing mit dem Schälen einer Zwiebel: Es werden nur so viele Schalen der Zwiebel geschält, wie das Nervensystem es erlaubt – bis das es stabil und stark genug ist und der Kern des Traumas sich zeigen darf.